Ich liebe es

in die Tasten

reinzuhauen

und Texte

rauszuhauen ...

Wir brauchen keine guten Antworten.

Wir brauchen bessere Fragen.


Gestern war ich bei einer Lesung von Norbert Gstrein.


Und ich bin ehrlich gesagt immer noch nicht ganz fertig damit.


Was eh schon ziemlich viel über den Abend sagt.

Denn normalerweise sind wir ja immer ziemlich schnell fertig mit den Dingen.

Wir hören was, lesen was, sehen was und zack haben wir eine Meinung dazu.


Gestern saß ich allerdings da und hörte einem Mann zu, der offensichtlich sehr viel Zeit damit verbringt, Dinge nicht vorschnell einzuordnen. Und ich weiß immer noch nicht, ob ich ihn nun sympathisch oder unsympathisch finden soll. Den Adrian. Den Norbert. Oder den Sessel in der alten Gerberei.


Jedenfalls erzählt Norbert Gstrein von seinem Roman, von Figuren, historischen Zusammenhängen, einzelnen Sätzen, Wörtern und Entscheidungen. Von Details, bei denen die allermeisten sicherlich gesagt hätten: Passt schon. Bei denen bei ihm aber offenbar noch lange nichts gepasst hat.


Unfucking mindblowing.

Zumindest für jemanden wie mich, der auch gerne auf Wörtern herumreitet.


Nicht, weil ich danach nach Hause gegangen bin und beschlossen habe, ab sofort auch zum Literaten zu werden. Keine Sorge. Werd ich (noch) nicht. ;-)


Sondern weil mir dieser Abend ziemlich eindrucksvoll gezeigt hat, was Sprache kann, wenn vor und während des Schreibens sehr viel passiert:

Lesen. Fragen. Zweifeln. Nachforschen. Verwerfen. Noch einmal hinschauen. Hingehen. Erleben.

Kurz: denken.


Und vielleicht ist genau das heute so verdammt schwierig geworden.

Nicht, weil wir zu wenig wissen.

Sondern weil wir zu schnell Antworten bekommen.


Ich kann eine Frage in eine Suchmaschine tippen. Ich kann eine KI fragen.

Ich kann einen Podcast hören, den Fernseher einschalten oder irgendeinem Menschen im Internet dabei zusehen, wie er mir in 37 Sekunden die Welt erklärt.


Antworten haben wir genug. Vielleicht sogar zu viele.

Was wir brauchen, sind bessere Fragen.


Fragen, die ein bisschen Arbeit machen. Bei denen man nicht nach drei Minuten weiß, auf welcher Seite man steht. Die uns zwingen, noch einmal nachzudenken. Eine zweite Perspektive auszuhalten. Vielleicht sogar die eigene Meinung noch einmal aus der Hand zu legen und zu schauen, ob sie danach immer noch passt.


Klar ist das anstrengend. Braucht ja auch Hirnschmalz.

Aber vielleicht beginnt genau dort das Denken.

Und vielleicht auch das Schreiben.


Ich beschäftige mich derzeit auch immer wieder mit künstlicher Intelligenz,

lasse sie recherchieren, sortieren, formulieren, hinterfragen. Sie kann verdammt viel.


Aber gestern Abend saß ich in einer Lesung und war vollkommen geflasht von einem Menschen,

der sich über viele Wochen, Monate und Jahre mit einer Geschichte, ihren Figuren und ihren kleinsten Details beschäftigt hat.


Nicht, weil er mir die richtigen Antworten gegeben hat.

Sondern weil er mich daran erinnert hat, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen.


Und vielleicht ist genau das ja auch die Antwort auf die ewige Frage, warum wir denn überhaupt noch lesen sollten?


– Wobei.


Vielleicht lassen wir diese Antwort jetzt einfach mal weg ...