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Sardinien:

Die Insel mit dem eingebauten Wow-Effekt




915 Kilometer, ein pinkes SUP-Board und die Erkenntnis: „Schöner wird’s heute nicht mehr“ ... 


... bis zur nächsten Kurve.

Nachdem wir im letzten Jahr mit unserem E-Auto fast den ganzen italienischen Stiefel ausgefahren sind, war eines klar: Italien hat es uns endgültig angetan. Also ging es auch heuer wieder dorthin. Diesmal allerdings nicht über den Asphalt des Festlands, sondern auf eine Insel mitten im Mittelmeer: Sardinien - Mit Flugzeug und Leihauto.


Geworden sind es auch dort wieder knapp 1.000 gefahrene Kilometer. Allerdings nicht, weil wir uns verfahren hätten. Sondern weil Sardinien diese lästige Angewohnheit hat, hinter jeder Kurve einen neuen Grund zu liefern, einmal stehen zu bleiben. Die Insel macht es einem nämlich fast unmöglich, den schönsten Ort zu finden. Denn kaum steht man irgendwo und denkt: „Okay. Schöner wird es heute nicht mehr“ - kommt die nächste Bucht: Noch klareres Wasser, noch beeindruckendere Felsen, noch ein Platz, an dem man sich fragt, warum man eigentlich jemals wieder nach Hause fahren sollte ...


Im Osten geht die Sonne auf - Erster Halt: Budoni

Unsere erste Basis war Budoni an der Ostküste. Und schon dort wurde uns klar: Beim Thema Meerwasser spielt diese Insel in einer eigenen Liga. Dieses türkisfarbene Meer sieht aus, als hätte jemand bei den Farbeinstellungen ein bisschen übertrieben. 

Deshalb waren unsere wichtigsten Begleiter für die nächsten Tage auch ziemlich schnell gefunden: Vier Taucherbrillen samt Schnorchel und unser heißgeliebtes pinkes SUP-Board (das gleiche, das im letzten Jahr bereits an der Amalfiküste geschippert ist). 

Ich würde fast so weit gehen, dieses SUP-Board mittlerweile als unser fünftes Familienmitglied zu beschreiben (zumindest dann, wenn Katze Snoopy nicht an Bord ist). Und: Es hat sich seinen Platz an unserer Seite auch heuer wieder mehr als verdient. Denn es brachte uns an Stellen, die man vom Strand aus (noch) nicht sehen kann, führte uns durch Felsenbögen und sorgte nebenbei auch noch für unser tägliches „Pumpen“ (fürs Fitnessstudio blieb schließlich keine Zeit ;-))

 

Fabrizio & der schnellste Weg ins Paradies

Manchmal trifft man im Urlaub Entscheidungen, die sich später als Volltreffer herausstellen. Unsere hieß Fabrizio. Schon um 8.00 Uhr morgens saßen wir in Cala Gonone bei ihm auf dem Schlauchboot und starteten zu einer Tour entlang einer Küste, die man eigentlich kaum beschreiben kann. Während andere beim Frühstück noch überlegten, ob‘s ein zweiter Cappuccino sein darf, waren wir bereits unterwegs Richtung Cala Luna ... 

Plötzlich war sie da, diese berühmte Bucht, die wir bisher nur aus Reiseführern kannten: Menschenleer - nicht „für Juli überraschend ruhig“, sondern wirklich leer. Für ein paar Stunden hatten wir diesen Ort tatsächlich fast für uns allein.

Danach ging es weiter: Cala Biriala, Cala Mariolu, Cala Goloritzè: Türkisfarbenes Wasser, kleine versteckte Buchten, spontane Schwimmstopps und dieses Gefühl, dass die Natur manchmal wohl einfach beschlossen hat, ein bisschen zu protzen. Irgendwann habe ich aufgehört zu fotografieren. Nicht, weil es nichts mehr zu fotografieren gab. Sondern weil manche Momente einfach noch besser im Kopf gespeichert werden (oder vielleicht auch, weil Fabrizio aus dem Schlauchboot ein Speedboot gemacht hat ;-))


Pizza oder Meer?

In jeder Familie gibt es Diskussionen. Bei uns beginnen manche davon beim Blick in die Speisekarte: Unsere Männerfraktion braucht hier ungefähr sieben Sekunden um zu wissen, was sie wollen: "Pizza." Wenn‘s ganz wild wird: Pasta. Wir Damen hingegen sind da schon experimentierfreudiger. Denn wann bekommt man zu Hause schon frische Meeresfrüchte, Fregola, Bottarga oder Moscardini?

Also genau jene Dinge, die nicht unbedingt auf dem wöchentlichen Familienessensplan stehen. Wenn man also schon auf Sardinien ist, darf der Teller ruhig nach Meer schmecken. Die Herren waren da skeptisch. Aber interessanterweise verschwand diese Skepsis meistens schneller als der Inhalt des Tellers. Und spätestens beim Fior-di-latte-Eis waren wieder alle vereint. (Auch wenn ich persönlich Seadas als Dessert bevorzuge, aber Pssssst!)


Zwischen Weinreben und sardischer Gelassenheit

Unsere Unterkunft im Westen lag auf einem Weingut. (Wer meinen Mann kennt, weiß warum ich hier gebucht habe, ohne es ihm vorher zu zeigen). Und manchmal sind es genau diese Orte, die einen Urlaub so besonders machen. Keine 5 Sterne, sondern 5 Minuten mit den Menschen von dort, die uns ihre Geschichte erzählen: So sind wir mit Silvano durch den Weingarten spaziert, haben den 18 Jahre alten Malvasia di Bosa verkostet, aßen dazu Pecorino vom Feinsten und genossen die Tage, an denen man irgendwann merkt: Es braucht eigentlich gar nicht viel: Ein bisschen Wasser, ein bisschen Strand, ein paar zufällige Felsen zum Runterspringen oder Durchpaddeln, warme Luft. Und ganz viel Familien-Zeit ...


Wenn ein Ball mehr sagt als tausend Worte

Das Städtchen Bosa hat unser Herz auf eine ganz besondere Art erobert. Bei uns Erwachsenen waren es die bunten Häuser, die Brücken, der Fluss, die Gassen, das Castello und die unvergleichliche Atmosphäre.

 Bei unserem Sohn? Ein Basketballplatz! Keine zehn Minuten später stand er mit fünf sardischen Jungs am Feld. Miteinander reden konnten sie nicht. Mussten sie auch nicht: Ein Pass, ein Korb, ein High Five – Mehr hat‘s nicht gebraucht. Vielleicht ist ein Ball also manchmal tatsächlich die beste Sprache der Welt. (Und Kinder die besseren Lehrer, weil man nicht für alles immer eine Erklärung braucht)

 

Eine Straße, die eigentlich gar keine ist

Die Küstenstraße zwischen Bosa und Alghero ist eigentlich gar keine Straße. Das ist mehr eine Dauerunterbrechung. "Bleiben wir da stehen?" "Nein, bei der nächsten Bucht. "Drei Kurven später dann, "Jetzt aber wirklich." ... Und wenn man dann doch irgendwann in Alghero ankommt geht’s dort munter weiter mit den vielen Fotostopps. Überhaupt zeigte uns Sardinien oft, dass es vor allem eines sehr gut kann: Entschleunigen!

 

Und dann kam’s doch noch: Das böse W-Wort

Jede Familie hat Wörter, die man vorsichtig einsetzen sollte.

Unseres ist „Wandern“. Ein Wort, das bei unseren Kids ungefähr dieselbe Begeisterung auslöst wie „Zimmer aufräumen“ oder „Wir fahren jetzt zum Zahnarzt“. Trotzdem wollten wir unbedingt zu dieser kleinen versteckten Bucht Namens „Compoltitu Beach“. Also kamen wir um das böse W-Wort nicht herum. Die Motivation war überschaubar und die Frage „Wie weit ist es noch?“ kam öfter als einmal. Aber dann kamen wir an und plötzlich war alles vergessen: Diese kleine Bucht, dieses klare Wasser und das Gefühl, einen Ort entdeckt zu haben, den man nicht einfach nebenbei mitnimmt. Manchmal muss man eben doch erst ein bisschen schwitzen, bevor man ins Paradies springt.

 

Der letzte Tag gehört dem Meer

Unser Rückflug ging erst um 22 Uhr. Ein kleines Geschenk. Denn der letzte Urlaubstag ist normalerweise der Moment, an dem man versucht, noch alles mitzunehmen. Noch eine Sehenswürdigkeit. Noch einen Ort. Noch schnell etwas anschauen. Diesmal nicht. Wir machten genau das, was Sardinien uns in diesen neun Tagen beigebracht hatte: „Langsamer werden“: Noch einmal an den Strand, noch einmal die Taucherbrille auf, noch einmal ins Wasser springen. Diesmal die Isola Tavolara im Blick ...

 

Arrivederci Sardegna

Was bleibt nach neun Tagen Sardinien? –  915 Kilometer mehr am Tachometer (und die Gewissheit, dass man Tanken nicht verlernt auch wenn man zuhause nur noch E-Autos besitzt); Sand in den Taschen, Schuhen und vermutlich auch noch Wochen später irgendwo. Ein pinkes SUP, das bereits voller Vorfreude auf seinen nächsten Einsatz wartet; Neue Lieblingsgerichte und viele kleine Momente, die gar nicht spektakulär wirken – aber genau deshalb in Erinnerung bleiben ... 

 

Denn am Ende sind es nicht nur die Orte, die eine Reise besonders machen. Es sind die Diskussionen ums „richtige“ Essen. Die Kinder, die beim Wandern zuerst jammern und unten an der Bucht als Erste ins Wasser springen. Die ungeplanten Stopps, das gemeinsame Staunen, das Lachen. Und dieses Gefühl, dass man für ein paar Tage alles ein bisschen langsamer machen darf. Sardinien hat uns genau das geschenkt. Und deshalb sagen wir nicht wirklich „Ciao“ sondern „Ci vediamo“.

Denn spätestens an der nächsten Kurve wartet mit Sicherheit wieder ein Ort, bei dem wir sagen: „Schöner wird’s heute nicht mehr.“ 


Und wieder werden wir uns täuschen ... 



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