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14 Jahre Geborgenheit vs. 14 Sekunden Social Media


Warum ich das Handy immer schon einen schlechten "Babysitter" fand



Meine Tochter wird übermorgen 14.

Und ich habe 14 Jahre lang versucht, ihr beizubringen, dass sie wunderbar ist, so wie sie ist.

Dass sie nicht perfekt sein muss. Dass Aussehen nicht alles ist. Dass man Fehler machen darf

und sich selbst treu bleiben sollte ...

Dann scrollt sie 14 Sekunden durch Social Media. Und plötzlich sind meine 14 Jahre Kindererziehung ungefähr so relevant wie ein Faxgerät.


Na super.

Ich „kämpfe“ also offenbar nicht nur gegen Hormone, Gruppendruck und Pubertät,

sondern auch gegen Algorithmen, Fakenews, Influencer, Filter und gegen Menschen, die aussehen, als wären sie frisch aus dem KI-Labor geschlüpft und trotzdem genau wissen, wie das reale Leben funktioniert.


Fein.

Unsere Eltern mussten uns noch vor Fremden mit Süßigkeiten warnen.

Wir müssen unsere Kinder davor warnen, dass nicht alles stimmt, was irgendjemand mit Fake-Wimpern im Selfie-Modus daherlabert.


Das Internet weiß alles 

Es gibt einen Satz, der mich mittlerweile mehr nervt als jedes Augenrollen.


„Ich hab‘ das aber im Internet gesehen ...“ 


Da kann ich meinem Kind hundertmal erklären, warum ein Trend völliger Unsinn ist.

Sobald irgendein Mensch mit Ringlicht und sechsstelliger Followerzahl das Gegenteil behauptet, bin ich nur noch die (alte) Frau, die einfach nicht verstehen will, dass man von Rohmilch eine blonde Langhaarmähne bekommt und zum norwegischen Fußballgott mutieren könnte ... 


Sie werden flügge, wir werden grau

Die Mädels werden immer früher erwachsen. Oder zumindest sehen sie so aus. Sie schminken sich, stylen sich, vergleichen sich, posieren, optimieren. Der Körper wird plötzlich zur Baustelle.

Die Haare sowieso und die Haut natürlich auch.

Schon klar, dass man da mehr Beautyprodukte braucht als ein gutsortierter Drogeriemarkt.


Und irgendwo zwischen „Ich bin noch ein Kind“ und „Ich weiß genau, was ich will“ liegen nur ein paar Scroll-Minuten.


Und in der Zwischenzeit stehen die Jungs mit Dauerwelle im Fitnessstudio vor dem Spiegel und pumpen als würde nächste Woche die Aufnahmeprüfung für die neuen Avengers stattfinden.


Und wir Eltern?

- Stehen daneben und denken: In welchem Film sind wir hier eigentlich gelandet?


Kleine Lügen, große Dramen


„Alle anderen dürfen das schon.“

„Ich hab ja gar nichts gemacht.“

„Da war doch gar nichts.“


Und irgendwann merkt man: Doch. Da war was.

... Kleine Lügen, nichts Dramatisches aber sie verunsichern uns trotzdem.

Nicht, weil unsere Kinder schlechte Menschen sind. Sondern weil sie gleichzeitig erwachsen sein wollen und trotzdem noch Kinder sind. Weil sie dazugehören möchten. Weil sie uns schützen wollen. Weil sie ihre Freiheit verteidigen. Weil sie selbst oft nicht wissen, was gerade in ihnen passiert.

 

Dabei wollten wir coole Eltern sein

Ich wollte nie die Mama sein, die alles verbietet. Ich wollte immer die sein, mit der man reden kann. Jetzt bin ich die, die fragt, ob das Handy wirklich seit drei Stunden „nur zum Musik hören“ verwendet wird.

Eigentlich wollte ich locker sein. Jetzt diskutiere ich über Ausgehzeiten, Energydrinks und Mopeds, predige über die Gefahren von Zigaretten, Alkohol und Snus – und sehe mein Kind innerlich schon im Drogenentzug ... 


Ein Glück, dass ich bereits als vernünftiger Erwachsener auf die Welt gekommen bin ...


In zwei Tagen wird meine Tochter also 14.

Und manchmal wünschte ich mir, sie würde das Handy wieder nur einfordern, um in Ruhe Biene Maja schauen zu können, während wir Abendessen. 😝


Dennoch hoffe ich, dass zwischen all den Reels, Filtern, Trends und Algorithmen auch noch etwas hängen bleibt: Nämlich die Gewissheit, dass zu Hause jemand sitzt, der nachfragt, nervt, Grenzen setzt und trotzdem immer auf ihrer Seite ist.

Denn vielleicht gewinnen 14 Sekunden heute viele Schlachten. Aber vielleicht gewinnen 14 Jahre Geborgenheit am Ende ja doch den Krieg.


Und vielleicht ist das ja unsere tatsächliche Superkraft als Eltern: 

Nicht, dass wir alles wissen. 

Sondern dass wir da sind. 

Immer.

 


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