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Warum macht man so etwas?


Am Wochenende war ich in Innsbruck. Nicht beim Fußball.

Sondern eigentlich nur zufällig dort, wo Wacker Innsbruck auf Austria Salzburg treffen sollte –

Und wo plötzlich ziemlich viel los war:

Vermummte Gestalten. Böller. Gebrüllte Beschimpfungen. Dazwischen ein Polizeiaufgebot, bei dem man sich als Passant schon einmal kurz fragen musste, ob hier tatsächlich gleich ein Fußballspiel beginnt ...

Und während wir unfreiwillig mitten in dieses Getümmel gerieten, ging mir diese eine Frage nicht mehr aus dem Kopf:


Warum macht man so etwas?

Ganz ehrlich. Ich würde das wirklich gern verstehen.

Warum vermummt man sich, um zu einem Fußballspiel zu gehen? Warum schießt man Knallkörper durch die Gegend? Warum brüllt man wildfremden Menschen entgegen, dass sie "Oaschlöcher" sind – nur weil ihr Herz offenbar für den falschen Verein schlägt?


Was passiert da in einem?

Schon klar. Fußball lebt von Emotionen. Von Rivalität, Zugehörigkeit, Leidenschaft. Davon, dass man gemeinsam jubelt und gemeinsam leidet. Dass man den eigenen Verein liebt und den anderen für 90 Minuten scheiße findet. Alles gut.

Aber warum wird aus „Wir gehören zusammen“ bei manchen zwangsläufig „und deshalb seid ihr unsere Feinde“?


Ganz ehrlich. Diese Tatsache hat mich an diesem Abend mehr beschäftigt als das Spiel selbst.

Denn da standen auf der einen Seite Menschen, die offenbar bereit waren, wegen eines Fußballvereins Grenzen zu überschreiten. Und auf der anderen Seite dutzende Polizisten, die genau deshalb dort sein mussten: Wegen eines Fußballspiels.

Eigentlich muss man diesen Satz nur einmal langsam lesen ...


Doch wir haben uns an Begriffe wie „Hochrisikospiel“, „Polizeiaufgebot“, „Fantrennung“ und „Sicherheitszonen“ offenbar bereits gewöhnt, dass wir kaum noch merken, wie absurd das Ganze eigentlich ist. Und womöglich liegt auch genau darin die spannendere Frage:


Nicht: Was stimmt mit diesen Leuten nicht?


Sondern: Was passiert mit Menschen in einer Gruppe, dass sie Dinge plötzlich okay finden, die sie alleine vermutlich niemals tun würden?


Wann wird Zugehörigkeit zu Abgrenzung? Rivalität zu Hass? Und warum kann es offenbar ein gutes Gefühl sein, gemeinsam gegen jemanden zu sein?


Dieses Prinzip endet ja nicht am Tivolirand.

Das „Wir gegen die“ begegnet uns längst überall. Im Netz. In politischen Debatten. Im Alltag. Der Ton wird rauer, die Lager klarer und der andere schneller zum Idioten erklärt.

Im Fußball kann man diesem Mechanismus beim Arbeiten zuschauen. Nur lauter. Mit Vereinsfarben. Und gelegentlich mit Böllern.


Ich habe keine Antwort darauf, warum man so etwas macht.

Aber nachdem ich am Wochenende danebenstand, frage ich mich, ob wir vielleicht öfter darüber reden sollten?

Nicht darüber, welcher Fanblock der schlimmere ist.


Sondern darüber, warum es sich für manche Menschen offenbar verdammt gut anfühlt, einen Feind zu haben.