Ich liebe es
in die Tasten
reinzuhauen
und Texte
rauszuhauen ...
Ein Treppenlift, 37 Billionen Zellen,
ein paar schräge Geschichten, eine Dusche
und ein ziemlich guter Abend:
Die Nacht der Redner in Kitzbühel
Manche Abende beginnen mit einem Glas Wein.
Mein gestriger Abend begann mit einem Ticket,
das eigentlich gar nicht meins war.
Eine Freundin hatte es mir überlassen, weil sie selbst verhindert war –
Die Nacht der Redner in Kitzbühel.
Klingt spannend – also bin ich hin ...
Im Saal angekommen, erstmal dieser suchende Blick, den Menschen haben, wenn sie nicht so recht wissen, worauf sie sich denn da eingelassen haben. Das Publikum bunt gemischt, gut gelaunt, aufmerksam - und vor allem: offen für alles:
#1: Treppenlift mit 44 – oder doch lieber leben?
Nach der offiziellen Begrüßung und einer kurzen Einführung kam der erste Redner auf die Bühne: Michael Schulz. Und der fackelte auch nicht lange und ließ gleich zu Beginn unseren deutsch-österreichischen Lebenstraum platzen: Eigenheim, Sicherheit, Planbarkeit – alles schön und gut. Aber für den Entdeckergeist und die Abenteuerlust ungefähr so hilfreich wie ein Treppenlift mit 44.
Nach seiner eigenen Nahtod-Erfahrung hatte er sein Leben radikal neu sortiert.
Sein Ziel: mit 90 nicht zurückblicken und sich fragen, warum man immer brav war, aber nie wirklich lebendig. Sein Kernsatz hing im Raum wie ein (zu) ehrlicher Spiegel:
Viele Menschen sterben nicht am Ende ihres Lebens – sondern hören Jahrzehnte vorher auf, wirklich zu leben ...
#2: 37 Billionen Gründe, besser auf sich zu achten
Weiter ging’s mit Bettina Kaltenbach die auch gleich kurzen Prozess mit der nächsten Ausrede machte: „Glück sei nur Zufall“. – Ist es nicht, sagt sie. Es ist eine bewusste Entscheidung.
Und knallte uns eine Zahl mit 12 Nullen vor die Füße: 37 Billionen!
So viele Zellen besitzt unser Körper nämlich im Durchschnitt. So viele „Mitarbeiter“ arbeiten also täglich für uns: Heißt, wir führen eigentlich allesamt einen biologischen Großkonzern – und behandeln ihn dennoch oft wie einen schlecht gewarteten Firmenwagen.
Und: wir sollten öfter dran denken, dass wenn wir das nächste Mal über die zu dicken Oberschenkel schimpfen – sie uns auch hören können!
Plötzlich wirkte „Achtsamkeit“ weniger nach esoterischem Blabla, als nach gesundem Menschenverstand ...
#3: Programmänderung mit Lerneffekt
Drittens kam es anders, als man denkt: Der angekündigte Speaker fiel aus. (Magen-Darm.)
Stattdessen kam Kirsten Wunderle. Aus dem vermeintlichen „Notnagel“ wurde schnell ein echter Volltreffer: Mit viel Körpereinsatz, Gestik und Mimik zeigte sie, dass Lernen nur dann sinnvoll ist, wenn es auch Spaß macht.
Die berühmte „Polizistenübung“, etwas Gehirnjogging und eine herrlich abstruse Geschichte später konnte plötzlich der ganze Raum innerhalb weniger Minuten die zehn flächenmäßig größten Länder der Welt aufzählen – in der richtigen Reihenfolge wohlgemerkt.
(Ich kann mir oft nicht mal an meine eigene Einkaufsliste merken – aber das sitzt jetzt ...)
#4: Wertschätzung statt Druck
Und zum Schluss: Matthias Hero. Der uns alle noch unter die Dusche schickte – die Wertschätzungsdusche wohlgemerkt. Seine Botschaft: Menschen leisten mehr, wenn sie gesehen, gehört, ernst genommen und wertgeschätzt werden. Eigentlich banal. In der Praxis aber fast schon revolutionär.
Kein „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ sondern genau andersrum: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser! Und die leise radikale Idee, dass Menschen keine Maschinen sind, die man nur lange genug antreiben muss ...
Was bleibt?
Kein fertiger Plan für ein besseres Leben.
Aber jede Menge Inspiration und ein paar ziemlich gute Fragen im Gepäck.
Und manchmal reicht genau das ...





