Ich liebe es
in die Tasten
reinzuhauen
und Texte
rauszuhauen ...
1x Danke für Mama
und ab Montag dann wieder normal
Morgen ist Muttertag. Dieser eine Tag im Jahr, an dem plötzlich alle wissen, wie wichtig Mütter sind. Dann gibt‘s Blumen, Pralinen, Frühstückstische mit selbstgebackenem Kuchen und selbstgereimten Gedichten. Politiker posten Dankesworte, Unternehmen entdecken ihre emotionale Seite und Familien erinnern sich für ein paar Stunden daran, dass da jemand seit Jahren den Laden am Laufen hält.
Und genau darin liegt für mich die Absurdität.
Warum braucht es überhaupt einen offiziellen Feiertag, um Menschen Wertschätzung entgegenzubringen, ohne die unser Alltag ohnehin zusammenbrechen würde?
Warum behandeln wir Fürsorge, Verlässlichkeit und dieses berühmte „bisschen Hausarbeit“ an 364 Tagen im Jahr wie eine absolute Selbstverständlichkeit – und an einem einzigen Sonntag im Mai plötzlich wie eine olympische Höchstleistung?
Ich mag Blumen. Aber ...
Versteht mich bitte nicht falsch: Blumen sind super. Ich freue mich auch, wenn ich welche bekomme. Aber vielleicht sollten wir uns einmal ehrlich fragen, warum uns symbolische Dankbarkeit oft soviel leichter fällt, als echte Wertschätzung?
Und die zeigt sich nun mal nicht in Pralinenschachteln oder roten Rosen, sondern im Alltag: In der gemeinsamen Verantwortung, im gegenseitigen Interesse und beim Aufteilen von Denkaufgaben und Verpflichtungen ...
Stattdessen sagen wir einmal im Jahr „Danke“ – und fühlen uns danach emotional freigesprochen - bis zum nächsten Jahr. Fast wie ein moralischer Service-Termin fürs Pickerl.
Feiertage für Dinge, die im Alltag zu wenig vorkommen
Und wenn wir ganz ehrlich sind, gilt das nicht nur für den Muttertag. Auch der Vatertag wird oft zur ritualisierten Mischung aus Bierkonsum, Grillzangen-Party und Krawattenhumor, während über echte Verantwortungsteilung erstaunlich wenig gesprochen wird. Oder der Valentinstag, der uns romantisierte Aufmerksamkeit in Herzform verkauft, während Beziehungen im Alltag häufig genau dort scheitern, wo keine Herzchen mehr helfen: bei fehlender Zeit, fehlender Augenhöhe oder fehlender Wertschätzung.
Vielleicht wäre weniger Symbolik und mehr Ernsthaftigkeit angebracht. Denn echte Anerkennung passiert nicht einmal im Jahr. Sie zeigt sich auch an gewöhnlichen Tagen. Dann, wenn niemand zuschaut und Mitdenken nicht beklatscht, sondern einfach mitgetragen wird.
Vielleicht sollten wir Menschen also nicht nur an besonderen Tagen feiern. Sondern sie an gewöhnlichen Tagen mehr wahrnehmen und wertschätzen.
In diesem Sinne:
Danke Mama. Auch heute. Am Samstag.





