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Österreich sucht den Obergrantler

12 points fürs Jammern.



Der Song Contest ist vorbei. Und Österreich hat wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, worin wir international wirklich absolut konkurrenzfähig sind: im Sudern, Jammern und Schlechtreden!

 

Kaum war der erste Ton gesungen, wurde bereits kollektiv geschimpft, gespottet und digital exekutiert. Der Künstler? Peinlich. Die Moderation? Totale Fehlbesetzung. Die Show? Fremdscham in Dolby Surround. Und die Outfits? Na geh‘ bitte ...

 

Zeitweise hatte man echt das Gefühl, dass nicht Europa ein Musikfest feiert,

sondern dass Österreich live nach dem nächsten Gescheiterten sucht.

Doch genau deshalb sind diese Reaktionen für mich auch das perfekte Spiegelbild unserer Gesellschaft: Laut, grantig und chronisch unzufrieden.

 

Früher hatten wir Schmäh. 

Heute haben wir WLAN.

Österreich war einmal bekannt für Charme, Schmäh und Kaffeehauskultur. Davon scheint mir allerdings nicht mehr viel übrig.

Sich für andere freuen? Fehlanzeige.
Eher wartet man gespannt darauf, dass jemand versagt.

Und sobald sich irgendwer sichtbar macht, kommt reflexartig der österreichische Standardsatz:

„Was glaubt denn der eigentlich, wer er ist?“

Wer Erfolg hat, gilt als abgehoben.

Wer auffällt, ist peinlich.

Wer mutig ist, „will sich eh nur wichtig machen“.
Und wer auf einer Bühne steht, wird behandelt, als hätte er höchstpersönlich die GIS-Gebühr eingehoben.

 

 

Unser wahres Nationalgericht: Neid 

Nichts verbindet dieses Land so sehr wie die gemeinsame Leidenschaft,

anderen etwas madig zu machen.

Der Nachbar kauft ein neues Auto? – Sicher geleast. 

Jemand bekommt eine Beförderung? – Sicher gefreunderlwirtschaftet. 

Österreich kriegt internationale Aufmerksamkeit? – Früher war der Song Contest halt wenigstens noch nicht so woke ...

 

Das Runtermachen scheint eine neue österreichische Spezialität geworden zu sein.

Kaum hebt irgendwo irgendwer den Kopf über Durchschnittshöhe, wird er sofort wieder nach unten gezogen: „Bild dir bloß nix ein!“


Kommentarspalte statt Wirtshaus

Die sozialen Medien haben aus jedem Wohnzimmergrantler einen Teilzeit-Henker gemacht.

Früher musste man seinen Frust wenigstens noch am Stammtisch in ein Bier hineinsudern.

Heute reichen WLAN, ein paar Prozent Akku und ein Fake-Profil.

Von der Couch aus ist Selbstüberschätzung halt besonders komfortabel.


Und vielleicht ist genau das unser Contest: Kein Problem, sondern ein Spiegel.

Einer, der einmal im Jahr ziemlich laut zeigt, wie schnell wir dabei sind, alles und jeden zu beurteilen, der sich überhaupt noch traut, sichtbar zu sein.

Und zwischen 12 Punkten, Buhrufen und Kommentarspalten merken wir irgendwann, dass wir gar nicht im Publikum sitzen, sondern längst Teil der Show sind ...

 



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