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44 = Schnapszahl ≠ keine Krise.                

Am Samstag war mein Geburtstag. Ich bin jetzt 44. Eine Schnapszahl. Und offenbar genau das Alter, in dem man laut Gesellschaft entweder eine Midlife-Crisis haben, sich neu erfinden, oder sich endlich ein E-Bike anschaffen sollte. Aber: Ich habe mich gegen all das entschieden ... (Gut, das mit dem E-Bike überleg' ich mir noch ;-)). Aber eines ist fix: Ich arbeite nicht an mir. Ich arbeite mit mir. Und mit Wörtern. Denn die sind zuverlässiger als jeder Selbstoptimierungsratgeber.


44? ... Ja das fühlt sich ein bisschen nach „Halbzeit“ an. Aber weniger nach Abrechnung, mehr nach Überblick.

Man weiß inzwischen ziemlich genau, was man kann – und vor allem, was man nicht (mehr) kann.

Bei mir ist es zum Beispiel sich diesen einen Satz einreden zu lassen:
„Du bist nicht gut genug.“ ... Ein Klassiker. Wenig originell, aber gesellschaftlich erstaunlich gut verankert. Besonders bei Frauen. Leider.


Ich höre ihn auch heute noch – aber ich überlass‘ ihm keine Bühne (mehr)!

Denn: was ich mit 44 sehr bewusst aufhören werde, ist „das Gefallen-Wollen“.
Dieses soziale Dauerlächeln. Dieses vorsorgliche Abschwächen der eigenen Gedanken, damit sich bloß niemand „unwohl“ fühlt. Ich habe nämlich festgestellt, dass man es ohnehin nie allen recht machen kann. Also kann ich es ja auch gleich sein lassen.


Überhaupt schreibe ich heute viel persönlicher als früher. Ehrlicher. Nicht, weil ich mutiger geworden wäre – sondern weil ich keine Lust mehr habe, mich (sprachlich) zu entschärfen. Ich wähle meine Projekte selbst. Und meine Themen. Vieles, was früher zu laut, zu heikel oder zu viel Meinung war, ist heute genau richtig. 


44 ist kein Krisenalter. Es ist ein Klarheitsalter. Selbstbewusstsein wächst. Zweifel schrumpfen. Nicht weg – aber endlich proportional. Und weil gesellschaftliche Erwartungen am besten zerbröseln, wenn man sie persönlich adressiert - hier noch ein Brief an mein früheres Ich:



Liebes früheres Ich,


nein, du bist nicht zu spät.
Du bist nur zu sehr damit beschäftigt ständig nach rechts und links zu schauen.

Ich weiß schon, du willst es allen recht machen.

Angenehm sein. Vernünftig. Nicht zu laut.

Aber, ich verrate dir was: Es wird trotzdem nie reichen. 


Deshalb steh' zu deinen Gedanken. Auch zu den unbequemen.
Vor allem zu denen. Sie machen dich nicht schwierig – sie machen dich sichtbar.
Und Sichtbarkeit ist kein Makel.


Später wirst du persönlicher schreiben. Dich auch über schwierigere Themen wagen. 
Und du wirst merken: Nicht deine Meinung war das Problem –
sondern das ständige Gefühl sich dafür rechtfertigen zu müssen.


Du wirst auch mit 44 noch zweifeln.
Aber du wirst dich davon nicht mehr regieren lassen.
Und das – so glaub mir – fühlt sich verdammt gut an! 

Alles Liebe,                                               


Dein 44-jähriges Ich 



PS: Spar dir dein Geld für Faltencreme. Lachfalten sind sexy ;-)


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